Immer stark zu sein ist sch….

Ich sitze gerade in meinem Zimmer und bin traurig. Da weile habe ich gar keinen Grund und weiß gar nicht warum? Oder doch? Mir geht durch den Kopf, dass ich mir Sorgen mache. Sorgen über Themen, die hier zu privat sind, um sie zu teilen. Den einen Lebensbereich der Arbeit habe ich im Griff. Doch in den anderen Lebensbereichen wächst mir manchmal alles über den Kopf. Ich habe keine Kinder und keine Verpflichtungen. Und doch schaffe ich es manchmal nicht, meine anderen Lebensbereiche in Ordnung zu bekommen. Die Wohnung sieht aus wie s…, die Wäsche muss noch gemacht werden, der Bürokram stapelt sich auch, aber es ist schon 20:30 Uhr, ich muss noch ins Bad und müde bin ich auch. Ich will eigentlich beizeiten ins Bett und einfach schlafen.

Doch darf ich das eigentlich so offen sagen? Schließlich bin ich Coach. Und andere Menschen tragen so etwas doch auch nicht nach Außen. Bei anderen Menschen habe ich immer das Gefühl, dass alles wunderbar ist. Zumindest erzählen sie es nicht und leiden nicht aufgrund eigener Dummheit an Gesichtsverlust. Oder ist das jetzt auch wieder ein Glaubenssatz? Warum darf man nicht einfach mal schwach sein? Warum ist das so, dass Menschen nur die starke Seite sehen wollen? Oder ist das gar nicht so? Glaube ich einfach nur, dass Menschen erwarten, dass die weniger guten Momente nicht nach Außen getragen werden sollen? Und wie würde ich mich dabei fühlen, wenn einer meiner Mentoren mir sagen würde, was für ein Chaos bei ihm oder ihr manchmal herrscht? Ist es so, dass es meine Illusion ist, die die Menschen größer und besser wirken lässt? Oder ist das jetzt auch wieder so ein Glaubenssatz von mir? Sehen andere Menschen Mentoren vielleicht gar nicht als „höher“ oder „besser“ an, sondern nur anders und besser in dem Thema?

Immer stark zu sein ist sch…, denn mich lässt es die Fremdwahrnehmung trüben. Ich kann für mich nicht einschätzen was andere Menschen darüber denken, wenn sie diesen Beitrag lesen. Schütteln sie den Kopf, nutzen sie es als Inspiration, sind sie vielleicht sogar froh, dass nicht nur sie selbst solche Momente haben? Oder nehmen sie mich aufgrund dieses Artikels jetzt nicht mehr ernst?

Ist es eigentlich überhaupt wichtig, was andere Menschen darüber denken?

Gesichtsverlust, den Verlust von Respekt und Würde ist schon ein Thema für mich. Und gleichzeitig ist da der Drang auch diese Momente mit dir zu teilen. Denn Erfolgsgeschichten kann ich noch und nöcher lesen. Doch Trost oder Dinge, die nicht so gut laufen, lese ich selten. Doch eigentlich fände ich das bei anderen Menschen nicht schlimm. Schließlich zeigt es Menschlichkeit und macht die Menschen für mich nahbar.

Doch, nur weil ich das so sehe, müssen es die anderen ja nicht so sehen. Denn irgendwie ist es ja schon außerhalb der „Norm“. Doch was ist die Norm? Und will ich wirklich zur „Masse“ gehören?

Eigentlich nicht. Denn ich möchte ich sein, immer und überall. Doch auf der anderen Seite möchte ich, das es den Menschen, also dir, gefällt was ich hier mache. Kritik finde ich doof. Denn noch nehme ich es immer so persönlich und habe schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Und das, obwohl ich Kritik auf der anderen Seite sehr häufig einfordere. Doch was ist „gut genug“? Und was, wenn jetzt du derjenige oder diejenige bist, die den Artikel gut findet und was mitnehmen kann? Was, wenn dieser Artikel einem Menschen hilft? Sollte ich es dann wegen der Kritiker nicht schreiben?

Also schreibe ich lieber nichts? Oder nur einen allgemeinen Artikel zu diesem Thema, sodass keiner mitbekommt, was mich gerade beschäftigt? Doch fehlt dann nicht wieder die Authentizität und das Gefühl im Artikel? Ist der Artikel dann nicht wieder nichtssagend? Und warum bin ich jetzt schon wieder so im Außen und zerbreche mir über andere Menschen den Kopf? Sollen es doch die lesen, die Spaß daran haben und die anderen wieder wegklicken. Doch ist es wirklich so einfach?

Geht es bei einem Blog nicht genau darum? War ein Blog nicht mal ein digitales Tagebuch?

Und war es jetzt wirklich klug diesen Artikel zu veröffentlichen?

Egal, mein Gefühl war: schreibe die Gedanken einfach mal nieder und teile auch mal, wenn du schwache Momente hast. Denn sonst bist du diejenige, die den anderen das Gefühl vermittelt, immer Stark zu sein. Da weile bin ich oft auch einfach mal schwach! Denn irgendwo muss die ganze Energie ja herkommen, die ich den ganzen Tag verbrauche. Ying und Yang. Ausgleich – darum geht es am Ende doch.

Und wenn es nicht die schwachen und traurige Momente gäbe, Momente, in denen wir Zweifeln, müde sind und nicht gut drauf, würden wir die guten Momente, die energetischen Momente und die Guten-Laune-Zeiten nicht zu schätzen wissen.