Erst diese Woche wurde ich wieder angesprochen und gefragt, warum ich beim Coaching Pferde als Co-Trainer einsetze. Also entschied ich mich für Sie eine Beitragsreihe zu schreiben, in der ich Ihnen diese Frage beantworte.

Wir haben mit Pferden einiges gemeinsam

Wir Menschen habe mit den Pferden einiges gemeinsam. So auch die Tatsache, dass wir im Grunde in einer „Herde“ leben in der jeder seine „Rolle“ hat. Was mit diesem Satz gemeint ist, erkläre ich Ihnen in dem folgenden Abschnitt.

Pferde sind Herdentiere

Foto: Sabine Jagusch

 

Pferde sind Herdentiere

Pferde sind von Natur aus Herden- und Fluchttiere. Das heißt, Pferde leben in einer Gemeinschaft mit einer festen Rangordnung zusammen und somit in einer Sozialstruktur.

Die Herde der Pferde besteht aus einer Leitstute, einem Leithengst und den anderen Herdentieren. Dabei müssen sich die Leittiere Ihre Rollen erarbeiten und verdienen.

Die Leitstute

Die Leitstute ist die große Mutter der Herde, nach der sich alle anderen Pferde richten. Sie hat sich diesen Platz durch Ihre jahrelange Erfahrung verdient. Meist ist es daher die älteste Stute. Sie führt die Herde an und „hat das Sagen“. Der Leitstute werden Charaktereigenschaften wie Intelligenz, Übersicht und Aufmerksamkeit zugeschrieben. Sie ist auch die Vertrauensperson der Gruppe. Als Leitstute hat sie die Verantwortung für die Herde. Wenn sie zur Flucht ansetzt, folgen ihr die anderen Pferde in der in der Rangordnung festgelegten Reihenfolge ohne Diskussion.

Die Leitstute geht daher immer am Beginn der Herde. Wo sich die Stute befindet ist „vorne“.

Der Leithengst

Anders als viele Leute denken ist nicht der Leithengst derjenige, der die Herde anführt. Ganz im Gegenteil. Der Leithengst geht als letztes und sichert die Herde nach hinten hin ab. Bei der Flucht hat der Leithengst die Aufgabe die anderen Pferde anzutreiben und die Herde geschlossen zu halten. Nähert sich der Angreifer der Herde, so muss der Hengst die Herde verteidigen und notfalls den Angreifer angreifen.

Daher ist es wichtig, dass der Leithengst Dominanz und Präsenz ausstrahlt. Er muss in der Lage sein, Druck auszuüben und mit Willenskraft und Kraft den Angreifer vertreiben und die Herde verteidigen. Das heißt, der Hengst braucht nicht nur eine körperliche Stärke, sondern auch eine mentale Stärke. Die Rolle als Leithengst bekommt er aufgrund seiner Erfahrung und seiner Durchsetzungsfähigkeit. Er ist auch derjenige, der mit der Leitstute zusammen sein darf. Sie sind quasi die Black Beauty der Herde.

Herdentiere

Die anderen Pferde in der Herde haben auch eine feste Rangordnung, die sie sich erkämpfen haben und verteidigen müssen. Gerade wenn neue Pferde in eine Herde kommen, gilt es die eigene Rolle zu verteidigen. Das erreichen die Pferde aber nicht nur durch Stärke, sondern auch durch Taktik und Intelligenz. Dennoch gilt, dass in der Natur der „Stärkste“ gewinnt.

Die Rangordnung der Herde wird vor allem bei der Flucht sichtbar.

Geteilte Herden

Wenn man die Pferde auf der Weide beobachtet, sieht man aber immer mal wieder kleine Grüppchen zusammenstehen. Die Grüppchen bilden sich der Rangordnung nach. In dieser Zeit übernehmen dann die ranghöchsten Tiere dieser Gruppe die Leitpositionen. Es bilden sich also mehrere kleine Grüppchen, bis die Leitstute das Zeichen zur Flucht gibt. Dann wird die eigentliche Herdenstruktur wiederhergestellt.

Die Junghengste

Befinden sich Junghengste in der Herde, werden diese in einem bestimmten Alter in eine andere Herde wechseln, sich dort Ihren Platz erkämpfen und ihre eigenen Herde gründen.

Rangordnung

Foto: Sabine Jagusch – Rangordnung – Der Schimmel führt die Pferde

 

Parallelen zu uns Menschen

Erkennen Sie schon in der oberen Beschreibung die Parallelen zu uns Menschen?

Wir Menschen leben im Grunde auch in einer Herde. Eine Familie ist zum Beispiel eine Herde, in der jedes Familienmitglied seinen Platz hat. Früher waren diese Strukturen noch deutlicher zu erkennen, ganz aufgegeben haben sie sich aber nicht. Ganz plakativ gesehen könnte man sagen, dass der Mann das Geld verdient und die Familie verteidigt. Die Mutter ist das Organisationstalent und die eigentliche Chefin der Familie. Die Kinder haben die Aufgabe erwachsen zu werden und Erfahrungen zu sammeln, bis sie irgendwann ausziehen und eine eigene Familie gründen.

Auch ein Verein oder ein Unternehmen kann mit einer Herde verglichen werden.

Bei einem Unternehmen übernimmt die Führungsriege die Leitposition. Ihnen folgen die Mitarbeiter des Unternehmens, quasi die Herde.

Die Struktur der Herde kann nun immer weiter heruntergebrochen werden bis hin zu den Abteilungen und Teams. Dies kann mit der Situation auf der Weide vergleichen werden, wo sich die starre Herdenaufstellung auflockert und sich kleine Grüppchen bilden.

Dann führt die kleine Gruppe nicht mehr die Führungsriege des Unternehmens an, sondern der Abteilungsleiter, der Teamleiter, der Projektleiter usw….

Und auch bei uns Menschen ist es so, dass die Führungskräfte ihre Positionen aufgrund ihrer Erfahrung und ihres Know-Hows erarbeitet haben. Je mehr Erfahrung sie haben, desto mehr Verantwortung erhalten Sie und je weiter steigen sie in der Rangordnung nach oben.

Das ist jetzt natürlich alles ein bisschen vereinfacht dargestellt. Doch Ihnen soll ja das Prinzip klar werden.

 

Unterschied zu der Pferdeherde

Der Unterschied zu den Leittieren ist, dass wir Menschen in unseren Teams nicht eine Leitstute und einen Leithengst haben, sondern die Führungskraft je nach Situation verschiedene Rollen einnehmen muss. Daher ist auch das sogenannte situative Führen auch ein wichtiges „Know-How“ was eine Führungskraft beherrschen sollte. Dazu werde ich aber einmal einen gesonderten Beitrag scheiben.

Ein weiterer Unterschied ist, dass wir nicht in einer festen Herde bleiben, sondern täglich die „Herden“ wechseln und darin unterschiedliche Positionen einnehmen. So können Sie zum Beispiel in der Familie ein „Leittier“ sein, im Job eine Position im mittleren Management haben und im Verein der Vereinsvorsitzende oder ein „normales“ Vereinsmitglied sein. Sie müssen sich also flexibel den Regeln und den Positionen anpassen und haben damit auch andere Aufgaben und Verantwortungen inne. Von Ihnen werden dann andere Skills erwartet und Eigenschaften erwartet.

Pferde sind Herdentiere

Foto: Sabine Jagusch

Der Mensch in der Pferdeherde

Doch was hat das jetzt alles mit einem gemeinsamen Coaching zu tun.

Vereinfacht gesagt könnte man sagen, dass uns Pferde in ihre Herde aufnehmen und in ihre Herde integrieren. Sprich. Wenn wir auf ein Pferd zugehen, wird uns das Pferd einschätzen und herausfinden wollen, wo wir uns in die Rangordnung eingliedern. Natürlich will das Pferd gerne ranghöher sein, als wir Menschen. Doch aufgrund unserer inneren Haltung und unserer Körpersprache, kommunizieren wir bereits nonverbal mit dem Pferd, wenn wir auf ihm zugehen und senden Signale aus. Schon während wir uns also dem Pferd nähern, können wir unseren Rang klarstellen.

Dabei kommt es natürlich auf die Dosierung an. Rennen wir auf das Pferd zu, wird es sich erschrecken, Angst bekommen und flüchtet. Treiben wir das Pferd in eine Ecke, wird es sich wehren und angreifen. Sind wir aber ängstlich, haben wenig Selbstbewusstsein und sind unsicher, wird uns das Pferd nicht zutrauen, es führen zu können. Das Pferd wird ranghöher sein und nicht auf unsere Anweisungen hören.

Gehen wir aber selbstbewusst und wertschätzend auf das Pferd zu, wird uns das Pferd vertrauen und folgen.

 

Fazit

Beim Coaching mit Pferden als Co-Trainer machen wir uns also die Eigenschaften des Herdenverhaltens in einem Sozialverband zu nutze.

 

Herzliche Grüße

Claudia

P.S.: Nächsten Donnerstag geht es dann um das Thema „Fluchttier„.

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