Als Coach sehe ich mir regelmäßig Stellenanzeigen an, um u.a. herauszufinden, was Unternehmen sich von ihren Mitarbeitern wünschen und welche Soft Skills gefordert werden. Letzte Woche habe ich dann eine Ausschreibung einer Agentur gesehen, in der Stand, dass die Pizza ab 20:00 Uhr aufs Unternehmen geht.

Puhh. Also liebe Unternehmen, es ist ja nett, dass Sie so ehrlich sind und es direkt in Ihrer Ausschreibung angeben, dass Überstunden zur Normalität gehören. Aber was sagt denn das über Ihr Unternehmen aus? Agentur hin oder her. Doch Unternehmen die das schon in ihrer Ausschreibung angeben?

Als Mitarbeiter weiß ich, dass es immer mal Phasen gibt, in denen es etwas stressiger ist und in denen ich auch mal Überstunden leisten muss. Dafür gibt es auch mal Zeiten, in denen ich etwas früher gehen kann. Ein Geben und ein Nehmen. Doch wenn es so weit geht, dass Überstunden zur Normalität werden, ist ein Umdenken zu empfehlen.

Sie als Unternehmen wollen Mitarbeiter, die motiviert arbeiten, die qualitativ hochwertige Arbeit abliefern, die eigenverantwortlich Entscheidungen treffen und sich für Ihr Unternehmen reinhängen. Doch wie lange glauben Sie geht das, wenn Arbeitstage weit über 18 oder 19 Uhr hinausgehen?

Da hilft es auch nicht, wenn Sie den Mitarbeitern Massagen anbieten, eine Mitgliedschaft im Sportstudio unterstützen oder einen Korb Obst ins Unternehmen stellen. Denn diese Mitarbeiter, die abends nach 20 Uhr noch im Büro sitzen, werden keine Zeit haben diese Angebote zu nutzen.

Was Sie mit diesen Arbeitszeiten und Dauerstress erreichen ist, dass Sie Ihre Mitarbeiter verbrennen, dass es eine hohe Fluktuation an Mitarbeitern gibt, Ihre Mitarbeiter krank werden und auf Dauer keine gute Leistung erbringen können. Zumindest nicht so gut, wie sie sein könnten.

Inzwischen ist bekannt, dass Bewegung, Ruhe, der soziale Umgang usw. notwendig sind, um Stress abzubauen. Mit Arbeitszeiten von 9 oder 10 Uhr – 20 Uhr wird es unmöglich sein, ein ausgewogenes Leben zu führen.

Denn brechen wir diese Info mal in einen Arbeitstag herunter:

  • 7:30 Uhr aufstehen, fertig machen, frühstücken
  • 8:30 Uhr aus dem Haus
  • 9:00 Uhr auf der Arbeit
  • 10:00 Uhr das erste Meeting
  • 11:00 Uhr Tagesgeschäft
  • 12:30 Uhr Mittagspause
  • 13:30 Uhr – 20:00 Uhr arbeiten; wenn die Mitarbeiter Glück haben, ist noch Zeit für einen Kaffee zwischendurch.
  • 20:00 Uhr Pizza – bis die Pizza gegessen ist, haben wir es schon 20:30 Uhr
  • 21:00 Uhr Feierabend
  • 21:30 Uhr endlich zu Hause!
  • 22:00 Uhr Duschen und ab ins Bett

Was ist das bitte für ein Leben? Wo soll denn da noch ein Partner dazwischen passen, ein Hobby, Bewegung, gesunde Ernährung?

Selbst wenn dies nur wenige Tage im Monat vorkommt, dafür aber regelmäßig, hat es nichts mit Wertschätzung der Mitarbeiter und einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu tun.

Ich dachte eigentlich, dass Unternehmen dies schon gelernt hätten. Fakt ist doch, dass sich Unternehmen damit keinen Gefallen tun.

Doch was können diese Unternehmen tun?

Optionen gibt es da viele. Wichtig ist einmal herauszufinden, warum der Zustand so ist. Fragen Sie sich mal wo die Ursache dieser Überstunden herkommt. Liegt es daran, dass Sie zu wenig Mitarbeiter haben, oder vielleicht daran, dass die Mitarbeiter nicht effektiv arbeiten können, oder vielleicht in der Aufstellung des Unternehmens? Fragen Sie doch auch mal die, die den ganzen Tag für Sie arbeiten: Ihre Mitarbeiter. Ihre Mitarbeiter wissen oft ganz genau, woran es liegt und welche Verbesserungen Sie Ihnen vorschlagen würden, was Sie brauchen oder sich wünschen. Geben Sie Ihren Mitarbeitern den Raum für eigene Verbesserungsvorschläge.

Denn Ihr Unternehmen ist nur so gut, wie die Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen es sind. Unternehmerisch gesagt: Ihre Mitarbeiter sind Ihr Kapital, Ihr Wettbewerbsvorteil, Ihr Leben, diejenigen, die Ihr Unternehmen zu dem machen, was es ist.

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